"private collection"

praxisbesuch

die angehende erzieherin veranstaltet mit drei- bis fünfjährigen den üblichen momo(=montagmorgen)-kreis. zunächst eine leicht debile begrüßungsrunde: jona ist daaaa, lena ist daaaa, auch scott ist - fulya, bist du jetzt mal bitte still! - und schöööön ist das natürlich auch alles. anschließend wird abgefragt, ob die kleinen schon wissen, was ein adventskalender ist. die meisten haben einen, wenige nicht. scheint nicht so wichtig zu sein, die erzieherin labert von türchen und aufmachen und will wissen, was drin war. schoki. ja genau, kann man essen. einige kinder erzählen von schokokram, für scott gab's dreimal kaugummi und einen würfel, er besteht darauf, dass man das nicht isst. beides nicht. klar, kauen ist was anderes als essen, das versteht sie offenbar nicht. was genau die erzieherin daran "schade" findet, verstehe ich wiederum nicht, scott wahrscheinlich auch nicht. ein mädchen fühlt sich ermuntert zu berichten, dass man ein buch auch nicht essen könne. die erzieherin stimmt zu, meint aber, ein buch gehöre nicht in einen adventskalender. "doch" findet die kleine. der rest geht unter in allgemeinem tumult: den zwillingen fällt ein, dass sie heute gar kein türchen öffnen konnten - sie haben gestern beide kalender auseinandergenommen und alles essbare vertilgt. immer noch gutgelaunt ob ihrer tat nehmen sie die hilflosen belehrungen über den sinn des adventskalenders grinsend entgegen. einige kinder nicken heftig während der gardinenpredigt.

ich bemühe mich um ein wohlwollendes gespräch und um eine halbwegs gerechte beurteilung. eine beurteilung, die nicht durchscheinen lässt, wie ich das hasse: dummheit im umgang mit kindern, unbedarfte anpassung und soziale kontrolle. noch im nachhinein hoffe ich, dass es niemand gewagt haben möge, mit meinen kindern so blöde zu kommunizieren.

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pädagogische niederungen